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Ideen statt Energieverbrauch und Treibhausgas - Hessischer Supercomputer LOEWE-CSC wird zum “Ort der Ideen”

Frankfurt - Einer der ersten CO2-neutralen Supercomputer der Welt, der Rechner LOEWE-CSC am Center for Scientific Computing (CSC) der Goethe-Universität Frankfurt, ist am Freitag mit dem Titel “Ausgewählter Ort” im Wettbewerb “365 Orte im Land der Ideen” ausgezeichnet worden. Der Höchstleistungsrechner ist nicht nur besonders schnell - derzeit Nummer fünf in Deutschland - und besonders energie- sowie kostensparend, sondern wird durch Versorgung mit erneuerbaren Energien - im Gegensatz zu allen anderen deutschen Supercomputern - auch ohne Erzeugung des Treibhausgases Kohlendioxid betrieben. “Die Auszeichnung ist ein großartiger Erfolg. Sie dokumentiert die außerordentlichen Kreativität von Forschern in Hessen bei der Lösung von Aufgaben, und belegt die Anstrengungen der Landesregierung, attraktive Rahmenbedingungen für die Forschung am Wissenschaftsstandort zu schaffen”, sagte der hessische Wissenschafts-Staatssekretär Ingmar Jung. Den Pokal “Ausgewählter Ort” nahmen die LOEWE-CSC-Projektleiter Prof. Volker Lindenstruth und Prof. Hans-Jürgen Lüdde aus der Hand von Tilmann Wittershagen, Deutsche Bank, entgegen.
Der Supercomputer LOEWE-CSC, der vor fast zwei Jahren als “Arbeitspferd” für zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen - von der Klima- bis zur Gehirnforschung - in Betrieb genommen wurde, erreicht seine einzigartigen Leistungen durch ein neuartiges technisches Konzept, das an der Goethe-Universität und am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) entwickelt wurde: Für Höchstgeschwindigkeit beim Rechnen sorgen Grafikchips, wie sie auch in handelsüblichen PCs Verwendung finden. Die Einsparungen im Energieverbrauch werden durch die in Frankfurt entwickelte “e-Square”-Kühltechnik des Computers erreicht -- wassergekühlte Türen der Computerschränke verhindern, dass Abwärme in die Raumluft gelangt, der zusätzliche Energiebedarf für die Kühlung kann dadurch auf etwa ein Zehntel gesenkt werden. Für die Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien sorgt die Unterbringung des Supercomputers im Industriepark Infraserv Höchst, in der ehemaligen Schaltwarte der Farbwerke, wo ausreichend Energie aus Biogas und Klärschlammverbrennung bereitsteht.
Nicht nur mit Energie, auch bei den Kosten ist LOEWE-CSC sparsam: Der Rechner kostete durch weitgehende Verwendung handelsüblicher Bauteile nur etwa ein Drittel vergleichbar schneller Computer, seine jährlichen Betriebskosten liegen bei einem Viertel ähnlicher Rechner. Für sein “visionäres Gesamtkonzept” wurde der Supercomputer daher bereits mit dem “GreenIT Best Practice Award” ausgezeichnet. Dieses Konzept ist auch Vorbild für das Rechenzentrum im künftigen internationalen Forschungszentrums FAIR in Darmstadt (Facility for Antiproton and Ion Research), wo mit einem etwa zwanzigfach größeren Supercomputer “GreeenCube” jährlich rund 15.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden sollen. Computer sind mittlerweile im gleichen Umfang an der Produktion dieses Treibhausgases beteiligt wie der weltweite Flugverkehr.
Zugleich mit der Ehrung als “Ausgewählter Ort” wurde bei LOEWE-CSC am Freitag auch die erste Stufe des künftigen FAIR-Tera-Netzes gestartet. Dieses Höchstgeschwindigkeits-Computernetz wird dafür sorgen, dass am entstehenden internationalen Bescheunigerzentrum FAIR in Darmstadt die Hochleistungsrechner der hessischen Universitäten direkten Zugriff zu den dort gespeicherten Daten haben. Dazu wird LOEWE-CSC zunächst über eine mehr als 100 Kilometer lange Datenverbindung mit der Goethe-Universität und mit dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt verbunden, wo FAIR derzeit entsteht, und zusätzlich direkt mit dem größten Internetknoten der Welt “DE-CIX” in Frankfurt. Die Übertragungsgeschwindigkeit wird in der Pilotphase 120 Gigabit pro Sekunde betragen, später soll sie auf mindestens 1 Terabit pro Sekunde verzehnfacht werden (dies entspricht der Übertragung einer großen PC-Festplatte in sechs Sekunden).
Die Gesamtinvestitionen zum Bau des Hochleistungsgroßrechners belaufen sich auf rund 4,9 Millionen Euro. Die Hessische Landesregierung hat den Bau mit einer Million Euro unterstützt. Weitere 850.000 Euro stammen aus dem hessischen Forschungsförderungsprogramm LOEWE. LOEWE-CSC wird für vielfältige Forschungsaktivitäten im Rahmen der LOEWE-Zentren “Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR)” sowie “Biodiversität und Klimaforschung Frankfurt (BiK-F)”, des Exzellenzclusters “Makromolekulare Komplexe”, des “Bernstein Fokus: Neurotechnologie, Frankfurt Vision Initiative”, der Hessischen Quantenchemie-Initiative und verschiedener Verbundprojekte genutzt.
Der Titel “Ausgewählter Ort” wird durch die Standortinitiative “Deutschland - Land der Ideen” und die Deutsche Bank gemeinsam an Projekte verliehen, die einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. Die Preisträger des Wettbewerbs “365 Orte im Land der Ideen” stehen “für den Ideenreichtum, die Leidenschaft und die Umsetzungsstärke der Menschen im Land und machen die Innovationskraft Deutschlands Tag für Tag erlebbar”. Kriterien für die Verleihung sind Zukunftsorientierung, Innovation und Umsetzungsstärke sowie Vorbildwirkung und Ansporn der jeweiligen Projekte.

Im Anhang: Hintergrund zum CO2-neutralen Supercomputer LOEWE-CSC.

“Ausgewählter Ort” der Ideen: Der Supercomputer LOEWE-CSC - superschnell, sparsam bei den Kosten, sparsam beim Energieverbrauch, frei von Treibhausgas-Emissionen

Download des Bilds im Original: hier

 

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Hans Jürgen Lüdde
Center for Scientific Computing
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Max-von-Laue-Strasse 1
60438 Frankfurt
Tel: +49(0)69 7984 7358
Fax: +49(0)69 7984 7880
E-Mail: lueddeitp.uni-frankfurtde
Web: http://www.csc.uni-frankfurt.de


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