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„Scharia und Grundgesetz“ Prof. Rudolf Steinberg spricht im FIAS Forum

Der Vorstand des FIAS 

lädt ein zum Vortrag im Rahmen des FIAS Forum 

am Mittwoch, 17.05.2017, 19:00 Uhr s.t. 

ins FIAS, Ruth-Moufang-Straße 1, 60438 Frankfurt (Campus Riedberg) Nach einer Einführung durch Herrn Prof. Dr. Volker Lindenstruth spricht 

Prof. Dr. jur. Rudolf Steinberg
Präsident der Goethe-Universität a.D. 

zum Thema: 

„Scharia und Grundgesetz“ 

 

Was soll man 60-Minuten lang über Scharia und Grundgesetz sagen? Hat doch die Kanzlerin Angela Merkel bereits 2010 nach der berühmten Rede des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff über den Islam in Deutschland klipp und klar erklärt: „Es gilt bei uns das Grundgesetz, und nicht die Scharia.“ Und ganz ähnlich äußerte sie sich auf dem letzten CDU- Parteitag in Essen am 6. Dezember 2016: „Unser Gesetz hat Vorrang vor Ehrenkodex, Stammes- und Familienregeln und der Scharia, das muss ganz deutlich ausgesprochen werden.“ Roma locuta causa finita? Dagegen wendet sich der Publizist Henryk M. Broder: Wer der Meinung sei, der Islam gehöre zu Deutschland, sollte nicht zögern, einen Schritt weiterzugehen und zu erklären: „Auch die Scharia gehört zu Deutschland. Denn ohne die Scharia gibt es keinen authentischen Islam.“ Und er fügt – wohl eher sarkastisch - hinzu, dass die Einführung der Scharia „das friedliche Zusammenleben erleichtern“ würde. Was ist nun richtig?

Ganz offensichtlich hat „die“ Scharia in unserem Lande keinen guten Ruf. Sie sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. Gemeint sind vor allem die drakonischen Strafen in Saudi-Arabien, dem Iran oder dem sog. Islamischen Staat. 

Das ist allerdings – wie ich in einem ersten Schritt zeigen möchte viel zu eng. „Die“ Scharia gibt es anders als häufig unterstellt überhaupt nicht (II.). Ich will anschließend das Verhältnis von Verhalten, das sich auf die Scharia stützt, zum Grundgesetz untersuchen, das ein wenig komplexer ist, als die einleitenden Äußerungen nahelegen (III.). Das Scharia-konnotierte Verhalten ausschließlich unter der Perspektive der Verfassungsmäßigkeit oder Verfassungswidrigkeit zu betrachten, bleibt jedoch an der Oberfläche der Probleme. Wichtiger erscheint es mir zu fragen, wie lässt es sich erreichen, dass sich eine große Gruppe von Menschen mit einem religiös und kulturell anderen Hintergrund nicht dauerhaft als Fremde empfindet, sondern als Bürger mit gleichen Rechten und Pflichten ihren Platz in der freiheitlichen Ordnung unseres Gemeinwesens findet (IV.). Abschließend möchte ich deutlich machen, dass sich ein Scharia-Verständnis, wie es von führenden muslimischen Theologen vertreten wird, durchaus in unsere Ordnung einfügt. Dass dies mit Zuversicht zu hoffen ist, zeigt auch ein kurzer Blick in die Geschichte des Verhältnisses von Staat und Religion (V.).

 

Hier finden sie weitere Informationen zu unserer öffentlichen Veranstaltungsteihe FIAS Forum.

 

 


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