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FIAS FORUM

 

Das FIAS Frankfurt Institute for Advanced Studies schafft einen Rahmen für exzellente interdisziplinäre Forschung im Schnittpunkt der klassischen Disziplinen Physik und Chemie mit den Lebens- und Computerwissenschaften. Mit der Vortragsreihe FIAS Forum wollen wir unsere Forschung einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen und den Dialog mit ausgewählten Gästen eröffnen.

 

Auf dem Themenplan steht eine Palette unterschiedlicher Fragestellungen der aktuellen naturwissenschaftlichen Forschung. Dies reicht von aktueller medizinischer Forschung über Neurowissenschaften und moderne Informationstechnologie bis zum Urknall und dem Ursprung des Universums.

Wir sind sicher, dass diese Streiflichter aus der aktuellen Forschung Ihr Interesse finden werden, freuen uns über Ihr Kommen und hoffen auf anregende Diskussionen.

 


 

Ort: FIAS-Hörsaal,  Ruth-Moufang-Str. 1, 60438 Frankfurt am Main 
    Lageplan   
Zeit: 19:00 Uhr

 

 

17.05.2017

Prof. Dr. jur. Rudolf Steinberg


Präsident der Goethe-Universität a.D.


Scharia und Grundgesetz


Was soll man 60-Minuten lang über Scharia und Grundgesetz sagen? Hat doch die Kanzlerin Angela Merkel bereits 2010 nach der berühmten Rede des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff über den Islam in Deutschland klipp und klar erklärt: „Es gilt bei uns das Grundgesetz, und nicht die Scharia.“ Und ganz ähnlich äußerte sie sich auf dem letzten CDU- Parteitag in Essen am 6. Dezember 2016: „Unser Gesetz hat Vorrang vor Ehrenkodex, Stammes und Familienregeln und der Scharia, das muss ganz deutlich ausgesprochen werden.“ Roma locuta causa finita? Dagegen wendet sich der Publizist Henryk M. Broder: Wer der Meinung sei, der Islam gehöre zu Deutschland, sollte nicht zögern, einen Schritt weitergehen und erklären: „Auch die Scharia gehört zu Deutschland. Denn ohne die Scharia gibt es keinen authentischen Islam.“ Und er fügt – wohl eher sarkastisch - hinzu, dass die Einführung der Scharia „das friedliche Zusammenleben erleichtern“ würde. Was ist nun richtig?

Ganz offensichtlich hat „die“ Scharia in unserem Lande keinen guten Ruf. Sie sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. Gemeint sind vor allem die drakonischen Strafen in Saudi-Arabien, dem Iran oder dem sog. Islamischen Staat.

Das ist allerdings – wie ich in einem ersten Schritt zeigen möchte viel zu eng. „Die“ Scharia gibt es anders als häufig unterstellt überhaupt nicht (II.). Ich will anschließend das Verhältnis von Verhalten, das sich auf die Scharia stützt, zum Grundgesetz untersuchen, das ein wenig komplexer ist, als die einleitenden Äußerungen nahelegen (III.). Das Scharia konnotierte Verhalten ausschließlich unter der Perspektive der Verfassungsmäßigkeit oder Verfassungswidrigkeit zu betrachten, bleibt jedoch an der Oberfläche der Probleme. Wichtiger erscheint es mir zu fragen, wie lässt es sich erreichen, dass sich eine große Gruppe von Menschen mit einem religiös und kulturell anderen Hintergrund nicht dauerhaft als Fremde empfindet, sondern als Bürger mit gleichen Rechten und Pflichten ihren Platz in der freiheitlich Ordnung unseres Gemeinwesens findet (IV.). Abschließend möchte ich deutlich machen, dass sich ein Scharia-Verständnis, wie es von führenden muslimischen Theologen vertreten wird, durchaus sich in unsere Ordnung einfügt. Dass dies mit Zuversicht zu hoffen ist, zeigt auch ein kurzer Blick in die Geschichte des Verhältnisses von Staat und Religion.(V.). 

05.04.2017
Prof. Dr. Theodor Dingermann 

Goethe-Universität, Frankfurt

 

Der lange Arm des Dr. Darwin - Medizin und Pharmazie im Licht der Evolutionstheorie


Wie wirkt sich die Evolution des Menschen auf unsere Gesundheit bzw. unsere Krankheiten aus? Hat Darwin – im übergeordneten Sinne als Dr. Darwin im weißen Chefarzt-Kittel – auch hier seine Hand im Spiel? Die Antwort: Und ob!!

Man spricht heute von „Darwinian Medicine“, die Fragen zu Krankheit und Gesundheit ganz anders stellt als die Schulmedizin. Fragt die Schulmedizin, wie entstehen Krankheiten, so fragt die Darwinische Medizin, warum entstehen Krankheiten bzw. das, was wir als Krankheit definieren. Warum hat uns die Evolution so anfällig für Krankheiten gemacht? Warum plagen uns Rückenschmerzen und Bluthochdruck? Warum erkranken wir an Herzinfarkt, Krebs oder Alzheimer?

Was heute als Risiko für Krankheiten erkannt ist, war in den Frühphasen der menschlichen Evolution u.U. ein Überlebensvorteil. Und Probleme, mit denen wir heute bei den typischen Alters- krankheiten konfrontiert sind, wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs, waren im Kontext evolutionärer Konzepte irrelevant, da die Menschen in ihrer frühen Entwicklungsphase nicht so alt wurden. Evolution ist sehr, sehr langsam. Mit der rasanten technischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte konnte unsere „Programmierung“ in Form des menschlichen Genoms nicht mithalten. 

 

Theodor Dingermann, Jg. 1948, studierte Pharmazie in Erlangen und promovierte 1980 zum Dr. rer. nat. Er habilitierte sich in Biochemie und Molekularbiologie und erhielt 1990 einen Ruf auf die C4-Professur für pharmazeutische Biologie der Universität Frankfurt. Von 2000 bis 2004 war Dingermann Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft. Ferner war er von 1998 bis 2000 Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt/Main.

Dingermann ist vielfach in Gremien engagiert. Er ist Chefredakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift „DIE PHARMAZIE“, Schriftleiter der Zeitschrift „PHARMAKON“ dem Organ der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, und Mitglied der Chefredaktion der „PHARMAZEUTISCHEN ZEITUNG“. 2007 erhielt er den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre, wurde 2009 zum „Professor des Jahres“ in der Kategorie Naturwissenschaften/Medizin gewählt und erhielt 2010 die Carl-Mannich-Medaille der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft. Seit 2013 ist Dingermann als ordentlicher Professor entpflichtet. Er hat allerdings noch die Position eines Seniorprofessors an der Goethe-Universität inne. Hier nimmt er u.a. übergeordnete Aufgaben wahr, darunter auch die Leitung der „Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten“.

15.02.2016
Prof. Dr. Dr. h.c. mult Horst Stöcker

 

FIAS, Goethe-Universität Frankfurt

MAGIC - Materie, Gravitationswellen und relativistische Kollisionen - Von schwarzen Löchern und tanzenden Neutronensternen zur FAIR Facility

 

 

Die Entdeckung der Gravitationswellen, die Einstein vor hundert Jahren ‎vorhergesagt hat, eröffnet ganz neuartige Einblicke in das Universum: Neutronensterne und schwarze Löcher umtanzen einander und verschmelzen‎ in gewaltigen kosmischen Explosionen.

Die Frankfurter Arbeiten zu diesem Thema werden vorgestellt und die Verbindung zur FAIR Beschleunigeranlage bei der GSI, Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH, wird erläutert.


Horst Stöcker, Judah Eisenberg Professor Laureatus an der Goethe Universität, studierte Physik, Chemie, Mathematik und Philosophie ebenda, promovierte bei Walter Greiner, war Gast-Wissenschaftler bei der GSI, Darmstadt, DAAD-NATO-Fellow am Lawrence Berkeley Laboratory, USA, und Ass. Professor an der Michigan State University, MSU. 1985 nahm er einen Ruf an die Goethe Universität an. Von 2000-2007 war er dreimal Vizepräsident der Goethe-Universität. Seit 2004 ist er „Senior Fellow“ und Gründungs-Vorstandsvorsitzender des FIAS.

 

Von 2007 bis 2015 war er wissenschaftlicher Geschäftsführer der GSI und 2008-2012 Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Gross-Forschungszentren, Bonn und Berlin. Er erhielt zahlreiche internationale Ehrungen, wie die Ehrendoktorwürde der Russischen Akademie der Wissenschaften, Moskau, der Universität Bukarest, des Joint Institute for Nuclear Research JINR, Dubna, ist Gast Professor an den Universitäten in Hefei und Wuhan, China, Strasbourg und Nantes, Frankreich. Er wurde gewählt zum Fellow des Institute of Physics, London, sowie zum Fellow der Europäischen Physikalischen Gesellschaft EPS, sowie zum Mitglied der deutschen Akademie der Technik Wissenschaften acatech, München und Berlin, und der Academia Europaea, London.

 

Horst Stöcker zählt laut Google Scholar mit rund 50 000 Zitierungen seiner rund 500 wissenschaftlichen Artikel, Patente und Bücher zu den „Top 200 Highly Cited Researchers“. Er hat ca. 50 Doktoranden betreut, etliche halten jetzt Professuren an international bedeutenden ‎Universitäten.

 

Liste der früheren Vorträge

FIAS Forum 2016

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